Corona: Hörsturz als seltene Komplikation nach Infektion

Oft steht ein Hörsturz im Zusammenhang mit einer Virusinfektion.

Oft steht ein Hörsturz im Zusammenhang mit einer Virusinfektion. © RAM – stock.adobe.com 

COVID-19 ist überstanden, der Patient darf die Intensivstation verlassen – dann kommt es plötzlich zu einem Hörverlust. Ein Fall aus Großbritannien. 

COVID-19 manifestiert sich bekanntlich in verschiedenen Organsystemen und kann in seltenen Fällen auch das Hörvermögen akut und irreversibel einschränken. Darauf weist eine Kasuistik aus einem Londoner Krankenhaus hin.

Ein 45-jähriger Mann mit bekanntem Asthma wurde aufgrund von COVID-19 stationär aufgenommen. Wegen zunehmender Atemprobleme musste er intensivmedizinisch betreut werden und war insgesamt 30 Tage lang intubiert. Der Krankheitsverlauf gestaltete sich durch eine Pneumonie, bilaterale Lungenembolie, pulmonale Hypertonie und Anämie kompliziert. Der Patient wurde unter anderem mit Remdesivir, intravenösen Steroiden und Plasmapherese behandelt.

Eine Woche nach der Extubation und Entlassung aus der Intensivstation bemerkte der Mann (der bisher keinerlei Hörprobleme oder Ohrerkrankungen gehabt hatte) einen Tinnitus und einen plötzlichen Hörverlust links.

Bei der Otoskopie zeigten sich ein freier Gehörgang und ein unauffälliges Trommelfell. Die weitere HNO-Diagnostik ergab Zeichen eines sensorineuralen Hörverlusts links (Hörsturz). Die Ärzte behandelten den Patienten eine Woche lang mit oralen Steroiden. Dies führte zu einer partiellen subjektiven Besserung des Hörvermögens. Die nachfolgende Therapie mit drei intratympanalen Steroidinjektionen brachte keine weiteren Erfolge.

Der plötzliche sensorineurale Hörverlust ist ein recht häufiges Krankheitsbild, schreiben die Autoren. Die zugrunde liegenden Pathomechanismen sind nicht genau bekannt, am häufigsten tritt ein Hörsturz jedoch nach einer Virusinfektion auf, schreiben Dr. Foteini­ Stefania­ Koumpa­ vom University College London und Kollegen. In dem beschriebenen Fall dürften der plötzliche Hörverlust und Tinnitus durch die SARS-CoV-2-Infektion und Erkrankung des Patienten bedingt gewesen sein. 

Eine Hörminderung ist ein gravierendes Ereignis, das auf der Intensivstation leicht übersehen werden kann. Daher appellieren die Autoren an alle Klinikkollegen, COVID-19-Patienten auch auf Hörverlust zu screenen. Wird ein Hörsturz rasch erkannt, können frühzeitig Steroide verabreicht werden. Diese Behandlung bietet die beste Chance auf eine Wiederherstellung des Hörvermögens. Autor: Dr. Andrea Wülker Quelle: Koumpa FS et al. BMJ Case Rep 2020; 13: e238419; DOI: 10.1136/bcr-2020-238419

2021-01-20T15:52:10+00:00
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